Ökologisches Gesamtkonzept

Allgemeine Gedanken

Ob wir den nachfolgenden Generationen eine noch halbwegs intakte Natur und Umwelt vererben, hängt zwar sehr stark von politischen Entscheidungen ab, wird aber im immer stärkeren Maße auch von Menschen und ihrer Einstellung zur Natur beeinflusst. Denn wenn die Menschen ( Kinder ) die Natur als schützenswertes Gute und für das Überleben der Erde als übergeordnet wichtig erkennen, wird sich auch ihre Einstellung zur Erhaltung der Natur nachhaltig verändern. Hier setzt im Rahmen der Erziehung und Bildung der pädagogische Auftrag einer umfassenden Umwelterziehung in der Schule an.Kaum ein anderes Thema bietet ein so weitgefasstes Feld handlungsorientierten Lernens wie das Thema „Umwelt“. Die menschlichen Wahrnehmungsebenen „Fühlen, Schmecken, Hören, Riechen“, die in unserer stark technisch orientierten Welt leider immer mehr verkümmern, aber zur „Menschwerdung“ von Kindern und Jugendlichen zentrale Bedeutung haben, erlangen im Bereich Umwelterziehung wieder eine unverzichtbare Handlungsebene. Lernpsychologisch gesehen ist das Lernen mit allen Sinnen weitaus effektiver und nachhaltiger als alle anderen Lernstrategien. Erlebnisse und Erfahrungen, die von uns in der Kindheit konkret gemacht wurden, sind häufig bis ins hohe Alter von Bedeutung. Abstrakt erfahrene Lerninhalte dagegen müssen häufig erneuert und trainiert werden. Der aktive Schulgarten bietet Schülerinnen und Schülern eine ungeahnte Vielzahl von Lernfeldern im handlungsorientiertem Sinne. Beobachten, gestalten, untersuchen, erfahren, ausprobieren und vergleichen sind nur einige Felder möglichen Lernens.


Ökologisches Gesamtkonzept der Grundschule Westerholt

Ende der achtziger Jahre wurde im Kollegium ein ökologisches Gesamtkonzept für die Grundschule Westerholt diskutiert und die Ergebnisse dem Schulträger mitgeteilt.
Einige Punkte in Kurzform:
Umweltfreundliche Unterrichtsmaterialien, Müllsortierung in den Klassenräumen, Anschaffung eines Kompostbehälters, Milch und Kakao in Mehrwegflaschen, bewusster Umgang mit Energie, erste Überlegungen zur ökologischen Umgestaltung des Schulhofgeländes.
Die Umgestaltung des Schulhofgeländes der Grundschule Westerholt nach ökologischen Gesichtspunkten begann 1989 mit dem Wunsch einiger Schüler, etwas für die gefährdete Umwelt tun zu wollen. Nach Gründung einer Umwelt – AG entschieden sich die Kinder, auf dem Schulhofgelände ein Feuchtbiotop einzurichten. Mit Hilfe und der Unterstützung des Schulträgers konnte die Idee umgesetzt werden. Seit dieser Zeit hat die Umwelt – AG an der Schule Bestand und es konnten viele Projekte verwirklicht werden, u.a. eine Totholzhecke, eine Trockenmauer, verschiedene Bauminseln, die Bepflanzung eines Lärmschutzwalles mit 450 Pflanzen, Bau eines Komposters, u.s.w..
Nach Genehmigung der „Vollen Halbtagsgrundschule“ zum 1.8.93 fasste das Kollegium den Entschluss, das gesamte Schulhofgelände auf der Westseite der Schule zu verändern. Die Fläche wurde so gestaltet, dass ein Teil von den Kindern als aktiver Pausenraum genutzt werden kann. Holzspielgeräte, kleine Sandkästen, Hecken, Bauminseln, u.s.w. sorgen dafür, dass den Kindern Möglichkeiten aktiven Handelns und Erlebens, ebenso wie Rückzugsmöglichkeiten zum stillen Spiel geboten werden. Ein zweiter Teil der Fläche wird als Ort praktischer Umwelterziehung genutzt und darf von den Schülern nur in Begleitung von Lehrpersonen betreten werden. Hier kann beobachtet, untersucht und experimentiert werden. Dieser Naturraum dient auch einheimischen Tierarten als Lebensraum, deswegen wurde bei der Gestaltung der Fläche streng darauf geachtet, dass nur einheimische Pflanzen gesetzt wurden.


Erweiterungsbau und neues Schulhofgelände

Der Planung und Fertigstellung eines Erweiterungsbaues mit 4 Klassenräumen im Frühjahr 1996 lagen in weiten Teilen baubiologische Gesichtspunkte zu Grunde. So konnte die Grundschule über den Schulträger eine angrenzende, bis dahin landwirtschaftlich genutzte Fläche übernehmen, und sie als zusätzliche neue Schulhoffläche in die Gestaltung mit aufnehmen. Die Gestaltung des neuen Geländes wurde so geplant, dass die neue Fläche sich harmonisch an den bisherigen Schulhof angliederte.
Die Schüler können nun das gesamte Areal als Spiel- und Pausenraum nutzen. Elemente des Entdeckens und Erlebens natürlicher Kreisläufe stehen im Vordergrund. Aber auch der Gedanke „mit allen Sinnen lernen“ durch spielerischen Umgang mit Wasser, Holz und Erde spielten bei der Planung eine wichtige Rolle. Selbstverständlich sind auch Spielgeräte und ein kleiner Fußballplatz harmonisch ins Gesamtgelände eingebunden. Sie werden von kleinen Hecken, Wällen und Totholzhecken umrahmt. Bewusst wurde auf die Errichtung teurer Spielgeräte verzichtet, weil sie zum einen den finanziellen Rahmen des Projektes gesprengt hätten, zum anderen aber u.E. in den seltensten Fällen kreatives Spiel fördern. Die Festschreibung des Themas „Umwelt“ im Niedersächsischen Schulgesetz als Erziehungsauftrag beeinflusste natürlich auch die Wahl der Schwerpunkte des Schulhofprojektes. Obstbaumreihe, Dornenhecke, Feuchtgebiet, Wildstaudenbeet, Kräuterspirale, kleiner Wald, Kuhle zum Graben und Bäume zum Klettern, Totholzhecke, Indianerzelte und Gänge aus Weidenruten, Wasserspiel, Kletterturm, Hügel zum Rutschen und Schlittenfahren u.s.w. machen das Gelände erlebnisreich.


Pädagogische Ziele

wurden formuliert nach folgenden Erkenntnissen:
- Das Thema „Umwelt“ entwickelt sich zu einer Überlebensfrage der Menschheit und muss als wichtiger Erziehungsauftrag von der Schule angenommen werden.
- Die Schüler und Schülerinnen entfernen sich immer mehr vom Leben mit und in der Natur durch die von Technik beherrschte Welt.
- Stark medienbeeinflusste Kinder neigen immer häufiger dazu, ihre Gefühle auf anregungsarmen Schulhöfen auszuleben. Aggressionen nahmen in den letzten Jahren deutlich zu.
Also:
Das Schulhofgelände muss für die Kinder ein kreativfördernder und aggressionsabbauender Spiel- und Erlebnisraum sein.
Das Schulgelände soll als Ort handlungsorientierter Umwelterziehung genutzt werden können (beobachten, handeln, erfahren, erleben, gestalten, planen...)
Das Schulgelände als Realraum dient zur Unterstützung des Unterrichts im fächerübergreifenden Sinne.
Das Schulgelände bietet Tieren und Pflanzen einen Schutzraum und wird von den Schülern auch als solcher wahrgenommen.
Das Schulgelände dient als Ort und Übungsfeld „Sozialen Handelns“.
Das Schulgelände ist Bildungsort für nachhaltige Entwicklung.


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